Drei Nachnamen trug sie im Laufe ihres Lebens, eine Erfahrung, die viele Frauen im 18. Jahrhundert angesichts einer hohen Sterblichkeit machten. Geboren wurde sie am 22. März 1736 als Eva Catharina Hahn. Über ihre Kindheit und Jugend in einer reichen Familie ist kaum etwas bekannt. Mit 18 Jahren heiratete sie den Hamburger Kaufmann Engelbert König, der mit Seidenwaren und Tapeten handelte und zwei Manufakturen in Wien aufbaute, während seine Frau sich um den Haushalt und die Kinder kümmerte.
Die Geschäfte liefen gut, und so konnten sich die Königs ein stattliches Haus am Neuen Wall leisten. Ihr Salon entwickelte sich rasch zu einem sehr beliebten Treffpunkt der Hamburger Kulturwelt. Besonders die Ehefrau machte sich als kluge und gebildete Gastgeberin einen Namen in der Hamburger Gesellschaft. Als Gotthold Ephraim Lessing 1767 als Dramaturg an das Deutsche Nationaltheater am Gänsemarkt kam, zählte er bald zu den häufigen Gästen der Abendgesellschaften im Hause König.
Die freundschaftlichen Beziehungen waren so eng, dass der Dichter Taufpate des jüngsten Kindes der Familie König wurde. Kurz vor der Abreise zu einer geschäftlichen Italienreise beschlichen Engelbert König 1769 böse Vorahnungen. Deshalb bat er Lessing, dass er sich um seine Frau und die vier Kinder kümmern möge, falls er auf der Reise sterben sollte. Tatsächlich starb der Kaufmann und Fabrikant in Venedig. Lessings Möglichkeiten, der Witwe und ihren Kindern zu helfen, waren sehr beschränkt. Er besaß keinerlei kaufmännisches Talent, und so musste Eva König selbst das Familienunternehmen auflösen. Als besonders schwierig erwies es sich, die Manufakturen in Wien zu einem angemessenen Preis zu verkaufen.
Diesen Verkauf sah sie als unverzichtbar an, um ihre vier Kinder und sich selbst finanziell abzusichern. Deshalb verlobte sie sich zwar 1771 mit Lessing, zögerte aber eine Heirat hinaus. Lessing seinerseits wollte erst heiraten, wenn er seiner zukünftigen Familie einen angemessenen Lebensstil bieten konnte. Dafür waren sein Bibliothekarsgehalt zunächst zu niedrig und seine Schulden zu hoch. Seine Hoffnung auf einen hohen Lotteriegewinn schwand mit jeder Ziehung.
Eva König verbrachte mehrere Jahre lang viel Zeit in Wien, um die Manufakturen zu leiten und nach einem Käufer zu suchen. Sie erwarb sich den Ruf einer klugen und selbstbewussten Fabrikantin. Als der Verkauf 1775 endlich klappte, kehrte sie nach Hamburg zurück, während ihr zukünftiger Ehemann gerade den Sohn seines Arbeitgebers auf seiner Italienreise begleiten musste. Die getrennten Verlobten schrieben sich in diesen Jahren viele Briefe und dieser Briefwechsel ist in die Literaturgeschichte eingegangen. Ihr zukünftiger Mann äußerte sehnsuchtsvoll, „daß der Mensch nicht bloß von geräuchertem Fleisch und Spargel, sondern, was mehr ist, von einem freundlichen Gespräche, mündlich und schriftlich, lebet“.
Am 8. Oktober 1776 konnte endlich geheiratet werden, denn inzwischen hatte Lessing eine deutliche Gehaltserhöhung und eine Dienstwohnung erhalten. Die Braut war damals 40 Jahre alt, ihr Bräutigam 47. Der befreundete Kaufmann Johannes Schuback stellte für die Feier den Landsitz seiner Familie in Jork zur Verfügung. Nach der Feier im kleinen Kreis reiste das Paar mit den Kindern in einem Kutschwagen nach Wolfenbüttel.
Eva Lessing musste sich nun mit dem Leben in einer kleinen Residenzstadt arrangieren, und so wird sie die Besuche in Hamburg besonders geschätzt haben. Sie hatte einen positiven Einfluss auf ihren Mann, der geselliger und weniger eigenwillig wurde. Der Historiker Ludwig T. Spittler besuchte das Ehepaar und schwärmte anschließend von der Herzensgüte und der bezaubernden Sympathie der Gastgeberin: „Das Beyspiel dieser großen, würdigen Frau hat meine Begriffe von ihrem Geschlecht unendlich erhöht.“ Das Eheglück währte allerdings nur ein Jahr, denn nach der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes starben Neugeborenes und Mutter am 10. Januar 1778. Der Witwer lebte noch drei Jahre, vereinsamte und haderte mit dem Schicksal.
Aus: Frank Kürschner-Pelkmann: Entdeckungsreise durch die Hamburger Geschichte