Weihrauch war in biblischen Zeit der kostbarste Exportartikel des Oman
Weihrauch war in biblischen Zeit der kostbarste Exportartikel des Oman. Foto: iStock.com/mahrock

Gold, Weihrauch und Myrrhe - die Geschenke der Weisen und ihre Bedeutung

 

Viele von uns kennen die schönen Gemälde, auf denen drei Könige vor dem Kind in der Krippe niederknien und ihm ihre Geschenke darbieten. Maria steht neben der Krippe, der betagte Josef abseits und häufig runden Ochs und Esel das Bild ab. Aber: Bei Matthäus wird Jesus gar nicht in einem Stall geboren, sondern im Haus von Maria und Josef. Sie haben keine beschwerliche Reise auf sich genommen, sondern sind in Bethlehem zu Hause. Ochs und Esel haben bei Matthäus wie bei Lukas keinen Platz neben der Heiligen Familie, sondern entstammen einer späteren Tradition. Und die drei Weisen und ihre Geschenke? Alles eine Erfindung des Verfassers des Matthäusevangeliums?

 

Die Geburtsgeschichte des Evangelisten Matthäus, davon sind hierzulande auch die meisten Theologen überzeugt, hat so nie stattgefunden. Und doch enthält sie tiefe Wahrheiten und kann uns in unserem Glauben Orientierung geben. Und das gerade dann, wenn wir Abschied nehmen von dem Gedanken, Matthäus habe uns einen Tatsachenbericht hinterlassen. Wenn also die drei Weisen nicht die Geschenke auswählten, warum hat dann Matthäus gerade diese drei Geschenke erwähnt?

 

Gold, Weihrauch und Myrrhe besaßen in biblischen Zeiten einen hohen Wert, und dass die Weisen diese Geschenke brachten, so lässt uns der Evangelist wissen, zeigt bereits, welch eine herausragende Persönlichkeit in Bethlehem geboren wurde. Dass es drei Geschenke waren, so wird häufig angenommen, dass drei Weise sie dem Kind in der Krippe brachten, auch wenn dies nicht bei Matthäus steht.

 

Den drei Geschenken wird auch eine symbolische Bedeutung zugesprochen: Gold ist Zeichen des messianischen Königtums des Neugeborenen, Weihrauch steht für Heiligkeit und Myrre für das Leiden, deutet also bereits darauf hin, dass Jesus leiden und am Kreuz sterben wird. Diese weit verbreitete Deutung der drei Geschenke geht auf Irenäus von Lyon zurück, einem Bischof in Gallien und bedeutenden Theologen des 2. Jahrhunderts. Schon damals wurde die Übergabe dieser Geschenke von führenden Theologen allegorisch verstanden und nicht als Darstellung eines historischen Ereignisses.

 

Die Freude über die Geburt des Kindes

 

Folgt man dieser Interpretation, so halte ich dennoch eine Zurückhaltung gegenüber den Bemühungen mancher Theologen für geboten, die Freude über die Geburt des Kindes in der Krippe in der Weihnachtsgeschichte durch das Wissen um den gewaltsamen Tod Jesu zu überschatten. Wenn die Betonung des Kreuzes schon für den Anfang des Lebensweges Jesu mit der Vorstellung verbunden wird, er sei für unsere Sünden gestorben, für die Sünden von jedem von uns, dann kann das die Freude über die Geburt dieses Kindes stark trüben.

 

Und vielleicht ist das kein Zufall, denn ein christlicher Glaube, in dem Freude eine Grundstimmung ist, der war und ist vielen Verantwortlichen der Kirchen suspekt. Maria Jepsen, bis 2010 Hamburger Bischöfin, hat dafür plädiert, der Krippe in der Theologie mehr Beachtung zu schenken. Die Ereignisse in Bethlehem seien zwar zum größten Fest der westlichen Welt, wenn nicht der Welt, geworden: „Theologisch aber scheint Weihnachten, gemessen an Karfreitag und Ostern, eher ein Fest minderen Ranges zu sein ... Für Weihnachten bleibt, so gesehen, aber nur Platz drei übrig, als sträubten sich Theologen gegen die Verständlichkeit und Eingängigkeit des fröhlicheren Bethlehemgeschehens.“ Maria Jepsen formuliert pointiert: „Die Krippe ist populär, das Kreuz elitär.“ Mehr zu dieser Thematik finden Sie in meinem Beitrag „Krippe und Kreuz.

 

Die Völker werden den Heiland verehren

 

Mit den Geschenken Gold und Weihrauch wird an das priesterliche Verständnis des Messias in Texten des Alten Testaments angeknüpft. In Jesaja 60, Vers 6 lesen wir über die Völkerwallfahrt: „Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen.“ Dieser Vers ist Teil eines Jesaja-Abschnitts über die zukünftige Herrlichkeit Zions. „Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird erbeben und weit werden, wenn sich die Schätze der Völker am Meer zu dir kehren und der Reichtum der Völker zu dir kommt.“ (Jesaja 60,5)

 

Matthäus nimmt diese Prophezeiungen von Jesaja auf, ohne dass der Reichtum an Gold oder Weihrauch in den Mittelpunkt gestellt wird. Die Geschenke sind in der Geschichte nur Symbole dafür, dass alle Völker auf das Heil hoffen können. Die Völker verehren den neugeborenen Heiland, lautet die Botschaft, die ma­teriellen Geschenke sind dafür nur von symbolischer Bedeutung.

 

Luthers Deutung der Geschenke

 

Auch Martin Luther hat in seiner „Evangelien-Auslegung“ davor gewarnt, die Geschenke als zu wertvoll anzusehen: „Es ist klar: Diese Gaben kann jeder Christus bringen, der Arme nicht weniger als der Reiche, eher noch mehr. Gold, Weihrauch und Myrrhe können wir äußerlich nicht bringen, aber Glauben (Hebr. 11,1), d.h. ein wahres Vertrauen auf Dinge, die man nicht sieht, das können wir bringen.“

 

In seiner Predigt am 6. Januar 1517 beschäftigte sich Martin Luther mit dem Thema „Das rechte Gold, der rechte Weihrauch und die rechte Myrrhe“. Nachdem er die Deutung dieser Gaben seit den Zeiten der frühen Kirche kurz referiert hatte, kam er zu der Frage, was diese drei Gaben in seiner Zeit bedeuten konnten: „Wir brauchen aber nicht Gold, Weihrauch und Myrrhen bringen, sondern das Opfer jenes dreifachen Bekenntnisses, d.h. müssen bekennen, dass Jesus König, Gott und sterblich sei.“

 

Auf diese Verbindung von König, Gott und Sterblichkeit kam es Martin Luther an. Man müsse an all dies glauben, und nicht etwa wie die Juden, die bekennen würden, „dass er tot sei und ein Mensch gewesen, aber nicht König und Gott“. Im nächsten Satz erwähnte Martin Luther dann „andre Ketzer“, was unterstellte, die Juden gehörten in die Kategorie der Ketzer. Im weiteren Verlauf der Pre­digt erläuterte Martin Luther, was für ihn bedeutet, zu bekennen, dass Jesus Chris­tus der König ist: „Christus aber als König bekennen und ihm Gold darbringen, das heißt: seine Weisheit und die Leitung rechter Vernunft und guter Meinung, wie sie’s nennen, ablegen und sich in seiner ganzen Dummheit und Blöße Gott opfern und von ihm sich leiten lassen.“

 

Allerhöchste Gefahr sei bei denen gegeben, „die wegen ihres Verstandes meinen, alles sei in Ordnung, weil sie’s verstehen und schön von der Wahrheit spekulieren können – und geraten damit sicher ins Verderben, vergessen Gott den Lehrer des Herzens“. Nicht durch Vernunft, sondern nur durch Gottes Gnade ist es möglich, die drei Geschenke darzubringen, betonte Martin Luther in dieser Predigt.

 

Jesus als Messias der Völker

 

Der katholische Theologe Heinz Kruse hat sich in seinem Aufsatz „Gold und Weihrauch und Myrre“ der Auffassung angeschlossen, dass Matthäus Gold und Weihrauch in seine Geburtsgeschichte aufgenommen hat, um an Jesaja 60,6 anzuknüpfen. Dies ist der einzige Vers im Alten Testament, in der diese beiden Geschenke zusammen erwähnt werden. Matthäus wollte so in seiner Geburtsgeschichte deutlich machen, dass alle Völker den Messias anbeten werden.

 

Aber warum hat Matthäus dann die Myrre hinzugefügt? Folgen wir Heinz Kruse, geht es an dieser Stelle um das Prophetenamt des Messias. Er erinnert daran, dass im Altertum Myrre ein wichtiger Bestandteil des Öls waren, mit dem Könige und Hohepriester gesalbt wurden. Jesus wird von den Weisen als der “Gesalbte”, der Messias, erkannt.

 

Zugleich sind die Wohlgerüche des Orients ein Zeichen für Weisheit und Prophetie. Deshalb kommt der katholische Theologe zum Ergebnis: „Auf der Suche nach einem (Gold und Weihrauch) entsprechenden Symbol für die Prophetie (Lehramt, Offenbarungsvermittlung) konnte Mt. leicht auf die Myrre geführt werden … Was Mt. als Einleitung für sein Evangelium … brauchte und suchte, war eine Art Programm- und Inhaltsangabe von Jesu Leben und Wirken, wer er war und wie es ihm bei der Verfolgung seiner Ziele erging: Er war und ist der von den Propheten verkündete Messiaskönig, der Erlöser der Heiden, ein zweiter Mose, während der erste nur Israel erlöste.“

 

Dies ist nur eine mögliche Deutung der Geschenke. Im Blick auf die Globalisierungsthematik ist diese Deutung insofern bemerkenswert, dass nicht nur die Weisen aus einem weiter entfernten Volk zum neugeborenen Jesuskind kamen, sondern auch ihre Geschenke bereits deutlich machen, dass hier der Messias der Völker zur Welt gekommen ist, der „Gegenpart“ zu den politisch Mächtigen wie den römischen Kaisern. Wir erkennen dann, dass nicht nur Lukas in seiner Geburtsgeschichte Jesus als den „anderen“ König darstellt, der sich als mächtiger erweisen wird als Augustus, sondern auch Matthäus gleich am Anfang seines Evangeliums ein „globalisierungskritisches“ Programm aufgenommen hat.

 

Wie nun dargestellt wird, hatten die Geschenke der Weisen nicht nur eine symbolische Bedeutung, sondern besonders Gold und Weihrauch waren auch wichtige Tauschgüter in den damaligen überregionalen Handelsbeziehungen.

 

Gold im Alten Testament

 

Dem "Gold"-Beitrag des „Wissenschaftlichen Bibellexikon im Internet“ habe ich entnommen, dass in den hebräischen Büchern des Alten Testaments das Wort Gold 389 Mal vorkommt, vor allem in Zusammenhang mit Israels Heiligtum. Dazu lesen wir: „In der starken Verbindung des Motives Gold mit dem Heiligtum zeigt sich die Werthaltung des Alten Testaments, nach der alles materiell Wertvolle in erster Linie Gott zugehört und seiner Verherrlichung dienen soll.“ Es sei also kein Zufall, dass die Weisen aus dem Morgenland das Jesuskind mit Gold beschenken, ein Zeichen für die Göttlichkeit des Kindes.  

 

Nicht damit verwechselt werden darf die Anbetung von goldenen Götterbildern, wie sie in vielen antiken Religionen verbreitet war. Der „Tanz um das goldene Kalb“ (2. Mose,32) hat es wie viele biblische Sprüche und Zitate aus Geschichten in die Umgangssprache geschafft. Während Mose auf den Berg stieg, um von Gott die Gebote zu empfangen, wollten die zurückgebliebenen Israeliten endlich einen Gott, den man sehen konnte und der vor ihnen her durch die Wüste ziehen und ihnen den Weg weisen würde. Sie sammelten allen Goldschmuck der Frauen und alles übrige Gold ein, um es einzuschmelzen und daraus ein goldenes Kalb zu gestalten.

 

Aus Rache ließ Moses nach seiner Rückkehr dreitausend Mann töten, lesen wir, und können wieder einmal froh sein, dass diese wie viele andere Geschichten der Bibel legendarisch ist. Nicht Gott oder Mose waren grausam, sondern die antike und heutige „Anbetung“ des realen Goldes ist es. Dazu gleich mehr.

 

Zu beachten ist, wie negativ auch die goldenen Statuen der anderen Völker in der Bibel beurteilt werden. Nicht nur sollen sie vernichtet werden, lesen wir in 5. Mose 7,25: „Die Bilder ihrer Götter sollst du mit Feuer verbrennen und sollst nicht begehren das Silber oder Gold, das daran ist, oder es zu dir nehmen, damit du dich nicht darin verfängst …“ In einer ganzen Reihe weiterer Bibelverse wird das Verbot von Götterbildern aus Gold bekräftigt. In vergöttertes Gold verfangen zu sein, dass war offenbar schon in biblischen Zeiten ein Problem.

 

Im Alten Testament wird mehrfach davor gewarnt, Sicherheit und Wohlergehen durch den Besitz von Gold zu suchen. So lesen wir in Zefanja 1,18 über den „Tag des Zorns“ Gottes auf die Menschen: „Auch ihr Silber und Gold wird sie nicht erretten können am Tage des Zorns des HERRN. Die ganze Erde soll durch das Feuer seines Grimmes verzehrt werden …“ Angesichts existentieller Bedrohungen auf Goldbarren zu vertrauen, gehört offenkundig nicht zu den biblischen Ratschlägen und Aufträgen. 

 

Gold wird an mehreren Stellen der Bibel als Zeichen materiellen Reichtums und großzügiges Geschenk erwähnt, so beim Besuch der Königin von Saba. Als Gastgeschenk bringt sie König Salomo einhundertzwanzig Zentner Gold (1. Könige 10,10) Und das ist nach den biblischen Berichten bei Weitem nicht alles Gold, das der König zusammentrug. Er besaß sechshundertsechzig Zentner Gold, und da waren noch gar nicht die Geschenke berücksichtigt, die ihm Kaufleute und alle Könige Arabiens brachten. Und einige Verse später lesen wir: „So war der König Salomo größer an Reichtum und Weisheit als alle Könige auf Erden.“ (Vers 23) Der großen Weisheit Salomos soll also ein großer materieller Reichtum entsprechen und der kommt am Eindrücklichsten in seinem Goldreichtum zum Ausdruck.

 

Gold im Neuen Testament

 

Im Neuen Testament wird Gold lediglich an zehn Stellen erwähnt, und das Goldgeschenk der Weisen ist eindeutig die bekannteste von ihnen. In anderen Versen wird die alttestamentliche Warnung bekräftigt, sich im Leben auf den Besitz von Gold und anderen Reichtümern zu konzentrieren und dadurch Sicherheit zu erhoffen. Die Apostel werden im Matthäusevangelium ausdrücklich aufgefordert: „Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer an euren Gürteln haben“ (Matthäus 10,9).

 

Frauen werden aufgefordert, sich mit Anstand, Besonnenheit und guten Werken zu schmücken und nicht mit Gold, Perlen und kostbaren Gewändern (1. Timotheus 2, 9 u. 10). Und für Männer wie Frauen gilt nach 1. Petrus, 3,3-4: „Euer Schmuck soll nicht äußerlich sein – mit Haarflechten, goldenen Ketten oder prächtigen Kleidern -, sondern der verborgene Mensch des Herzens, unvergänglich, mit sanftem und stillem Geist: Das ist köstlich vor Gott.“

 

Zu einem Gelähmten sprach Petrus: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen von Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!“ (Apostelgeschichte 3,6) Gesundheit und Heil sind wichtiger als Gold, kann uns dieser Bibelvers lehren.

 

Im 1. Petrusbrief 1 wird betont, dass die Gläubigen jetzt traurig sind angesichts von mancherlei Anfechtungen, „auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold“ (Vers 7). Und in Vers 18 heißt es, dass die Erlösung nicht von vergänglichem Gold zu erhoffen ist.

 

In der Offenbarung des Johannes stoßen wir erneut auf Gold. Der siegreiche Messias trägt eine goldene Krone (Offenbarung 14,14) und die Ältesten fallen vor ihm nieder und legen ihre Kronen vor ihm nieder (4,10). Auch bringen sie ihm Räucherwerk in goldenen Schalen (5,8). Das neue Jerusalem, so erfahren wir aus Offenbarung 12,18, ist „aus reinem Gold“. Selbst die Straßen sind aus Gold (Vers 21). Im himmlischen Jerusalem können Christinnen und Christen also auf ein Leben in einer goldenen Umgebung hoffen – aber auf Erden sollten sie anderes anstreben als die Anhäufung von Gold, lernen wir aus anderen Texten der Bibel.

 

Das Gold kam aus dem Westen

 

Es begab sich zu der Zeit, als die Weisen aus dem Morgenland mit Gold zum Jesuskind kamen, dass gut bewachte Goldtransporte auf dem Weg zu Kaiser Augustus in Rom unterwegs waren. Sie kam aus dem Westen, genauer gesagt aus Las Médulas in Nordwestspanien. Der römische Kaiser hatte dieses Gebiet 25 v. Chr. von seinen Legionen erobern lassen, um die Kontrolle über die gewaltigen Goldvorkommen der Region zu erlangen.

 

Rasch stieg Las Médulas zum wichtigsten Goldbergwerk des Römischen Reiches auf. Im Tagebau wurde auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern goldhaltiges Gestein gesprengt. Gesprengt? Die Römer verfügten nicht über Dynamit, aber sie nutzten Wasser als „Sprengstoff“. Sie ließen von Tausenden Arbeitern zahlreiche Schächte und Gänge in den Fels meißeln. Aus gewaltigen Speicherseen oberhalb des Abbaugeländes ließen sie danach große Wassermengen in die Gänge und Schächte strömen, sodass der Wasserdruck schließlich so hoch wurde, dass die Felsen gesprengt wurden und den Zugang zu den Goldadern freigaben.

 

Ganze Bergwände wurden so abgetragen, eine beeindruckende antike Technik, die aber ihren Preis hatte. Der römische Offizier und Gelehrte Plinius der Ältere schrieb im 1. Jahrhundert: „Die Berge werden mit Gängen und Stollen im Licht von Lampen ausgehöhlt ... Monatelang sehen die Arbeiter keine Sonne … Plötzlich stürzen die Spalten ein und verschütten die Arbeiter … Wie gefährlich haben wir die Erde gemacht.“

 

Die gewaltigen Wassermassen und das Geröll der Sprengungen hinterließen Spuren die bis heute sichtbar sind. Die Römer betrieben eine ganze Reihe weiterer Goldbergwerken in unterschiedlichen Regionen ihres Reiches, von Ägypten bis Rumänien. Und überall waren die Arbeitsbedingungen im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch.

 

Die römischen Herrscher benötigten das Gold vor allem zur Stabilisierung ihres Finanzsystems. Der Kaiser besaß das Privileg, Goldmünzen prägen zu lassen, und wer dagegen verstieß, wurde mit dem Tode bestraft. 45 v. Chr. hatte Cäsar die Goldmünzen als vorherrschendes Zahlungsmittel eingeführt. Es gab zwar weiterhin Silbermünzen, aber die römischen Kaiser legten das Austauschverhältnis zu den Goldmünzen fest. Eine Goldmünze erhielt zunächst willkürlich den Gegenwert von 9 Silbermünzen gleichen Gewichts.

Binnen kurzer Zeit wurde das Verhältnis sogar auf 1 zu 12 herabgesetzt. Das fügte den eroberten Gebieten, in denen Silbermünzen weit verbreitet waren, schweren ökonomischen Schaden zu, während die römischen Herrscher kräftig von diesen Festlegungen des Tauschwertes von Gold und Silber profitierten.

 

Gold wurde immer wichtiger, um die gewaltigen Kosten des Römischen Reiches zu finanzieren. Daher wurden die Goldbergwerke zu einer unverzichtbaren ökonomischen Grundlage zum Erhalt und zur Ausweitung des Weltreiches.

 

Das Gold war zugleich unverzichtbar für den römischen Welthandel. Um die Importe von Gewürzen, Weihrauch und vielen anderen kostbaren Gütern aus Arabien und Indien zu finanzieren, setzte Rom seine Gold- und Silbervorräte ein. Es gab nämlich kaum andere, auf dem Rücken von Kamelen zu transportierende Güter, die das Römische Reich im Austausch für die Importe anbieten konnte.

 

Je stärker der Fernhandel zunahm, desto mehr Gold und Silber floss aus dem Reich ab und desto wichtiger wurde der Goldabbau. Außerdem gelang es den Römern, mit einigen Feldzügen an den Ostgrenzen ihres Reiches beträchtliche Gold- und Silberbestände zu rauben und daraus Münzen zu prägen. Gold, so mag diese kurze Darstellung zeigen, war zu Lebzeiten Jesu von herausragender Bedeutung für die „globale“ Ökonomie des Römischen Reiches.

 

Weihrauch – ein teurer Duft

 

Weihrauchharz wird aus den Weihrauchbäumen gewonnen, die in Arabien und am Horn von Afrika wachsen. Im Frühjahr werden in die Stämme und dickeren Zweige der bis zu 8 Meter hohen Bäume tiefe Schnitte eingeritzt, sodass Balsam austritt, der sich an der Luft zu Harz erhärtet, das gesammelt wird. Drei bis zehn Kilogramm Harz lassen sich jedes Jahr von einem Baum gewinnen.

 

Bereits zur Zeit der Pharaonen wurde Weihrauch in Ägypten geschätzt und zur Mumifizierung der Leichname bedeutender Persönlichkeiten verwendet. Und der Rauch und der Duft, die beim Verbrennen des Weihrauches entstehen, haben seit Jahrtausenden einen festen Platz in religiösen Zeremonien vieler Länder in Asien, Arabien, Nordafrika und Europa.

 

Der Bibel können wir entnehmen, dass Weihrauch in Räucherwerk enthalten war, das ausschließlich dem Kult zur Verehrung Gottes vorbehalten war. Auch diente Weihrauch als Zutat zu Speiseopfern. Zu Wallfahrten zum Tempel in Jerusalem wurde Weihrauch als Gabe mitgebracht. Im Hohen Lied der Liebe wird die Geliebte als (herrlich duftender) Weihrauchhügel angesprochen (4,6) und einige Verse später mit einem Lustgarten verglichen, in dem auch allerlei Weihrauchsträucher wachsen.

 

Weihrauchöl wird seit der Antike in der Kosmetikproduktion sowie für Arzneimittel verwendet. Hippokrates und andere antike Ärzte vertrauten bei der Behandlung unterschiedlichster Krankheiten auf Weihrauch und wendeten es sowohl äußerlich als auch innerlich an, zum Beispiel bei Atemwegserkrankungen und gegen Verdauungsprobleme. Auch in Arabien und Ostafrika hatte Weihrauch viele Jahrhunderte lang einen festen Platz in der Medizin. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde inzwischen nachgewiesen, dass Weihrauch eine entspannende Wirkung hat und Ängste vertreiben kann. Mit modernen Analyseverfahren ist auch bestätigt worden, dass die Boswellia-Säuren im Weihrauch entzündungshemmend wirken und etwa bei chronischen Darmerkrankungen eine gute Wirkung besitzen. 

 

Die Entwicklung von Antibiotika und anderer künstlich erzeugter Medikamente verdrängte mittlerweile Weihrauch weitgehend, aber in der Naturheilkunde hat es weiterhin einen Platz.

 

Die Weihrauchstraße – ein internationaler Handelsweg

 

Die Domestizierung der Kamele, die Entstehung der Landwirtschaft und die Bildung von Städten und staatlichen Strukturen erlaubte es von etwa dem 8. Jahrhundert v. Chr. an, mit Karawanen die Wüsten der arabischen Halbinsel zu durchqueren und wertvolle Güter über Tausende Kilometer zu transportieren. Besondere Bedeutung gewann die Weihrauchstraße, die über mehr als 3.000 Kilometer von Oman bis ans Mittelmeer führte. Sie gehört zu den ältesten Handelsrouten der Welt. Wo genau Weihrauch und Myrre herkamen, wurde den Endabnehmern wohlweislich verschwiegen, es blieb ein Geschäftsgeheimnis.

 

Die Karawanen waren etwa 100 Tage unterwegs und beförderten neben Weihrauch auch Myrre, Gewürze und Edelsteine. Die Route verlief von Oman zunächst in den Jemen und dann parallel zum Mittelmeer bis ins heutige Jordanien, wo die Straße sich teilte und in Palästina/Ägypten und in Syrien am Mittelmeer endete. Dort verlud man einen bedeutenden Teil der wertvollen Fracht auf Schiffe und segelte in reiche Städte wie Rom.

 

Wir dürfen uns die Weihrauchstraße nicht als befestigte Straße vorstellen, sondern die Karawanen suchten sich jede für sich ihren Weg durch die Wüste von einer Oase zur nächsten und von einer Stadt zur nächsten. Auf dem langen Weg mussten die Karawanen diverse Zollstellen passieren und Schutzgelder zahlen, sodass der Weihrauch auf seiner langen Reise immer teurer wurde. Entlang der Route blühten Handelsstädte auf. Die Nabatäer im heutigen Jordanien und angrenzenden Gebieten hatten eine führende Position in diesem Handel, und die Gewinne aus Handel und Zöllen waren so hoch, dass sie die prächtige Wüstenstadt Petra erbauen konnten.

 

Als im 1. Jahrhundert vor Christus der Seeweg durch das Rote Meer durch die Nutzung der Monsunwinde für die Handelsschifffahrt erschlossen wurde, verlor die Weihrauchstraße allmählich an Bedeutung. Der Transport des Weihrauchs per Schiff war weniger mühsam, kostete weniger und vor allem vermieden die Händler die hohen Zölle.

 

Weihrauch – der bevorzugte Duft des Römischen Reiches

 

Die Abwässer und Abfälle der Hauptstadt des Römischen Reiches sollen zum Himmel gestunken haben, und nicht einmal die Abdeckung der Abwasserkanäle mit Steinplatten beseitigten das Geruchsproblem. Bei Hochwasser des Tiber breitete sich der Fäkalieninhalt der Kanäle über die ganze Stadt aus. Um dem Gestank zumindest zeitweise zu entgehen, verbrannten die Reichen der Stadt beträchtliche Menge Weihrauch.

Die Herkunftsregion des wertvollen Weihrauchs nannten die Römer „Arabia Felix“, glückliches Arabien. In der Blütezeit der Handelsbeziehungen gelangte etwa die Hälfte der jährlichen Weihrauchernte von etwa 3.000 Tonnen nach Rom. Das entsprach ungefähr 10.000 Kamellasten.

 

Dass Weihrauch den Römern zur Huldigung der Kaiser und zu religiösen Zeremonien diente, veranlasste die ersten Christen im Römischen Reich, den Duft und den Rauch aus ihren Gottesdiensten zu verbannen. Das änderte sich mit der offiziellen Anerkennung und Förderung des Christentums durch Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert. Die christlichen Bischöfe erhielten nun einen quasi offiziellen Status, und der wurde auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass ihnen bei feierlichen Anlässen Weihrauchfassträger vorangingen. Auch wurde Weihrauch in Anknüpfung an biblische Aussagen zum Zeichen für Verehrung, Reinigung und Gebet. Der aufsteigende Rauch wurde als Zeichen für die Gegenwart Gottes verstanden.

 

In katholischen und orthodoxen Gottesdiensten und Begräbnisfeiern hat Weihrauch auch heute einen festen Platz. In den orthodoxen Kirchen gilt er als Duft des Himmels. In evangelischen Gottesdiensten wird nur selten Weihrauch verbrannt.

 

Myrrhe - wichtig nicht nur zur Einbalsamierung

 

Myrrhe wird aus Balsambaumgewächsen gewonnen. Dieser Strauch ist in Äthiopien, Somalia und dem Süden der arabischen Halbinsel heimisch. Der Name geht auf das arabische Wort „murr“; bitter, zurück. Die Rinde wird wie beim Weihrauch angeritzt, um Harz zu gewinnen. Das Harz verfestigt sich an der Luft zu Körnern, die eingesammelt werden können.

 

Myrrhe hat einen bitteren Geschmack. Es wirkt entzündungshemmend und wurde zum Beispiel bei Zahnfleischentzündungen eingesetzt. Jesus wurde schmerzlindernder Myrrhewein angeboten, den er aber ablehnte (Markus 15,23). Myrrhe galt den antiken Griechen und Römern als Heilmittel und wird auch heute als traditionelles Heilmittel anerkannt, so als Mittel gegen Entzündungen.

 

Myrrhe sprach man in manchen Kulturen eine aphrodisierende Wirkung zu. Diese Wirkung bildet auch den Hintergrund dafür, dass Myrrhe sieben Mal im Hohelied genannt wird, so gleich im 1. Kapitel, Vers 13: „Mein Freund ist mir ein Büschel Myrrhen, das zwischen meinen Brüsten ruht.“

Myrrhe wurde auch von reichen Frauen in Ägypten ob dieser Wirkung und als Schönheitsmittel geschätzt, so auch von Nofretete. Man findet Myrrhe noch heute in manchen Parfüms.

 

In Ägypten war Myrrhe unentbehrlich für die Mumifizierung der Pharaonen und anderer Persönlichkeiten, besitzt es doch eine große konservierende Wirkung. Im Alten Testament wird Myrrhe für die Verwesungshemmung von Verstorbenen (2. Chronik 16,14) und ebenso als wichtigster Bestandteil des heiligen Salböls aufgeführt (2. Mose 30,22-23), mit dem Kultgegenstände und Priester gesalbt wurden.

 

Myrrhe hat als Rauchmittel eine beruhigende Wirkung und wurde sowohl in Tempeln als auch in Palästen verbrannt. Im Buch Sirach preist sich die Weisheit im 24. Kapitel, Vers 20 (Lutherbibel) selbst so: „Ich ströme einen lieblichen Geruch aus wie Zimt und köstliche Kräuter und dufte wie die beste Myrrhe.“   

Myrre war in biblischen Zeiten eine wichtige Handelsware, die unter anderem in Palästina und Ägypten hoch geschätzt wurde. Es gehörte zu den Gütern, die man auf der Weihrauchstraße transportierte.

 

Zum Beispiel: Goldabbau heute

 

„Der moderne Goldabbau ist eine Katastrophe für Menschen und Umwelt.“ So hat die Menschenrechtsorganisation FIAN auf ihrer Website geschrieben. Eine Übertreibung? Die Zeiten sind vorbei, wo die Helden in Jack Londons Romanen mit primitivsten Hilfsmitteln in den kalten Flüssen Kaliforniens oder Alaskas standen und nach „Nuggets“, großen Goldstücken, suchten. Heute ist die Goldsuche weitgehend industrialisiert. Im Tagebau werden ­riesige Gesteins- und Erdmassen bewegt, um auch noch hundertstel Millimeter kleine Goldpartikel zu finden. So lohnt sich schon die Gewinnung von einem Gramm Gold aus einer Tonne Gestein. 99,9999 Prozent des Gesteins verwandeln sich in diesem Prozess bei der vorherrschenden Form der Goldgewinnung in hochgiftigen Abfall. Denn das Gold wird mit Zyanidlösungen aus den Gesteinsmassen gelöst.

 

Zyanide sind Salze der Blausäure und höchst gefährlich für Mensch und Natur. Im menschlichen Körper verhindert dieser Stoff den Sauerstoff­transport und ist deshalb schon in kleinsten Mengen (ein Milligramm) tödlich. Das Problem: Wohin mit den riesigen Mengen Gestein mit Zyanidrückständen und mit der Zyanidlauge? Die meisten Minen lagern sie in großen Rückhaltebecken, die durch Dämme geschützt werden. Bricht ein solcher Damm, ist die Katastrophe groß, und das ist in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach geschehen.

 

Angesichts der Schäden, die bei der Goldgewinnung für Menschen und die Umwelt entstehen, kritisieren Entwicklungs- und Menschenrechts­organisationen, dass Institutionen wie die Weltbank noch immer Gelder für solche Investitionsprojekte bereitstellen. Problematisch ist auch, dass unter dem Einfluss der Weltbank die Bergbaugesetze in vielen Ländern liberalisiert wurden, was den Effekt hat, dass internationale Bergbaukonzerne noch stärker in armen Ländern tätig werden und neue Bergwerke eröffnen können.

 

Nur etwa 15 Prozent des jährlich gewonnenen Goldes werden von der Elektronik- und Zahnindustrie verwendet. Der größte Teil des mühsam gewonnenen Edelmetalls wird zu Schmuck verarbeitet oder wandert für immer in Form von Barren in die Tresore von Notenbanken oder Privatbanken. Ein Verkauf des für die Stabilität der Währungen längst nicht mehr benötigten Goldes für industrielle Zwecke würde den umweltschädlichen Goldabbau weitgehend überflüssig machen.

 

El Salvador: Wenn das Wasser über das Gold siegt

 

Weltweit setzen sich inzwischen zahlreiche Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen gegen eine Goldgewinnung zur Wehr, die die Umwelt zerstört und den Menschen die Lebensgrundlage raubt. Ein Beispiel ist die internationale Kampagne No dirty gold. Mancherorts engagieren sich Kirchen und kirchliche Hilfswerke gemeinsam mit Umweltschutzorganisationen gegen die katastrophalen ökologischen und sozialen Folgen des Goldabbaus.

 

In El Salvador haben sie gemeinsam erreicht, dass das Parlament 2017 beschloss, jeglichen Bergbau im Lande zu verbieten. Schon in den 1940er und 1950er Jahren hatten US-Konzerne Goldbergwerke im Lande betrieben, aber für die einheimische Bevölkerung brachte dieser „Goldrausch“ nur einige Arbeitsplätze. Als die ausländischen Konzerne wieder abzogen, blieben nur eine hohe Arbeitslosigkeit in der Bergbauregion und gravierende ökologische Schäden zurück.

 

2002 begann der kanadische Bergbaukonzern Pacific Rim mit Bodenuntersuchungen und Probebohrungen, um festzustellen, ob es sich lohnen würde, mit modernen Methoden den Goldbergbau wieder aufzunehmen. Der lokalen Bevölkerung sollte mit einer aufwendigen Werbekampagne der Eindruck vermittelt werden, es sei ein „grüner Bergbau“ geplant, der keine Umweltschäden verursachen würde. Auch wurden Arbeitsplätze und Wohlstand versprochen. Eine Stiftung des Konzerns bot kostenlose Arztbesuche an, um die Unterstützung für das Vorhaben zu erhöhen. Auch Bestechungsgelder sollen geflossen sein.

 

Ein Wasserexperte der von Jesuiten geführten Zentralamerikanischen Universität in San Salvador klärte die Bevölkerung über die tatsächlich zu erwartenden verheerenden Auswirkungen des geplanten Goldbergbaus auf die Umwelt und besonders auf die Wasserressourcen der Region auf. Lokale Bevölkerung, Umweltschutzorganisationen und katholischer Kirche schlossen sich zum „Runden Tisch gegen Bergbau“ zusammen. Ein Slogan lautete: „Nein zum Bergbau, ja zum Leben“.

 

Der Konflikt um die geplante Goldmine nahm bald gewaltsame Formen an, weil die damalige rechtsgerichtete Regierung zunächst jeden Protest unterdrückte und paramilitärische Kräfte dazu übergingen, Gegner des Vorhabens mit dem Tode zu bedrohen. Protestdemonstrationen waren bald zu gefährlich, aber die katholische Kirche nannte sie nun Prozessionen, an deren Spitze ein großes Kreuz getragen wurde. Als selbst der konservative Erzbischof von San Salvador sich mit klaren Worten gegen die Goldmine aussprach, lenkte die Regierung 2008 ein und ein Dekret des Präsidenten stoppte das Vorhaben. Das war nicht nur eine Reaktion auf die breite Protestbewegung, sondern auch der Sorge um die Wasserressourcen des Landes geschuldet.

 

Als Schwachpunkt für den ausländischen Konzern erwies sich, dass er die einheimische Elite nicht an seinem Vorhaben beteiligt hatte, sodass die lokale Unterstützung für das Vorhaben gering war und im Parlament 69 der 84 Abgeordnete für das Bergbauverbot stimmten. Der konservative Abgeordnete John Wright Sol erklärte nach der Abstimmung: „Heute haben wir über Parteigrenzen hinweg gesehen. Heute hat das Wasser über das Gold gesiegt.“  

 

Kirchliches Engagement in aller Welt

 

„Eure Zukunft liegt nicht in diesen Löchern, wo es kaum Sicherheit gibt, sondern in einer Ausbildung, die dazu dient, den eigenen Lebensunterhalt langfristig zu sichern.“ Mit diesen Worten warnte der katholische Erzbischof Paul Yemboaro Ouedraogo die jungen Männer im westafrikanischen Burkina Faso davor, sich an der Ausbeutung kleiner Goldvorkommen zu beteiligen und dabei zu riskieren, in Minengängen verschüttet zu werden. Auch prangert er die katastrophalen ökologischen Folgen auch des Goldabbau in kleinen Minen an.

 

Im November 2013 warnte die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien ebenfalls vor dem Goldabbau in ihrer Heimat uns insbesondere vor der Verwendung von Zyanid und forderte die Einstellung dieser Goldförderung. Die Liste solcher kritischen kirchlichen Stellungnahmen ist lang.

Das sollte auch Konsequenzen für den Umgang der Kirchen und der einzelnen Christinnen und Christen mit Gold haben. Im Oktober 2019 forderte der katholische Amazonas-Missionar Dario Bossi anlässlich einer Bischofssynode in Rom, bei neuen liturgischen Gefäßen auf Gold zu verzichten und ebenso auf goldene Eheringe und goldenen Schmuck. Er verwies dabei auf die schweren Umwelt- und Gesundheitsprobleme, die beispielsweise im brasilianischen Amazonasgebiet bei der Goldsuche und -gewinnung entstehen. Bei einer Fachtagung in Würzburg nannte er als Vorsitzender des Netzwerkes „Kirche und Bergbau“ ergänzend ein Beispiel: „Für ein Gramm eines Goldrings muss man 20 Tonnen Erde verunreinigen.“

 

Beunruhigend finde ich den Gedanken, dass viel von dem Gold, das wir in Kirchen und Kathedralen bewundern, seinen Ursprung in brutalen Eroberungsfeldzügen in Lateinamerika und in der Ausplünderung anderer Länder im Süden der Welt hat. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, heißt ein Sprichwort. Aber es glänzt auch nicht alles Gold, wenn man sich mit der Geschichte seines Abbaus und seiner Aneignung beschäftigt – und das in Kirchen auch nicht. Dieses Problem bedarf weiteren Nachdenkens und weiterer Recherchen über den Ursprung des kirchlichen Goldes.

 

Die Such nach „fairem“ Gold

 

Dass heute noch Gold gefördert wird, ist aus der Sicht vieler Umweltschutz- und Entwicklungsorganisationen überflüssig und hat verheerende ökologische und soziale Folgen. Deshalb sind sie skeptisch bis ablehnend gegenüber Versuchen, fair gehandeltes Gold anzubieten. „Fairtrade Deutschland“ zertifiziert dennoch „Fairtrade Gold“. Aber auch in den zertifizierten kleingewerbliche Goldabbau kommt nicht ohne umweltschädliche Chemikalien aus, auch wenn ihre Verwendung schrittweise vermindert werden soll. Eine Alternative besteht darin, Eheringe und Schmuck aus Altgold herstellen zu lassen.

 

Es spricht viel dafür, sich gerade Weihnachten nicht vom Gold blenden zu lassen. In der Legende brachten die Weisen dem Jesuskind Gold, in der heutigen realen Welt gibt es für Christinnen und Christen gute Gründe, auf solche Geschenke zu verzichten und beim Hören von Matthäus Weihnachtsgeschichte in Erinnerung zu behalten, dass nicht alles Gold, das glänzt, geschätzt und bewundert werden sollte.  

 

Hartmut Heidenreich von der kirchlich-initiierten Kampagne „Bergbau Peru – Reichtum geht, Armut bleibt“, zieht diese Bilanz: „Es lohnt, an Recycling oder Alternativen zu Gold zu denken und über die Nutzlosigkeit von Anlagegold nachzudenken - und zu handeln. Auch wenn die Handelsbilanz der Förderstaaten dann nicht mehr so golden glänzt: Mensch und Natur in den Förderländern, und am Ende auch wir, profitieren davon.“ (Zitiert nach der Analyse „Gold hat seinen Glanz verloren“)

 

Und wen weder die Bibel noch die Beschreibung des Elends der Goldförderung überzeugen, der möge den Kommentar „Goldhandel: In die Tonne mit dem nutzlosen Zeug“ in „Zeit online“ vom 23. September 2020 lesen. Hier einige Sätze aus diesem Beitrag von Mark Schieritz: „Gold ist vielleicht das nutzloseste Metall der Welt … Dafür ist die Goldförderung eine riesige Umweltschweinerei … Es wäre für alle das Beste, wenn es im Boden verbliebe.“ Und nicht einmal ein lukratives Investitionsobjekt in Krisenzeiten sei Gold. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

© Frank Kürschner-Pelkmann